Maurice Haas ist ein Suchender. Er ist getrieben von einer Sehnsucht nach Klarheit, Wahrheit, Schönheit die sich auch in seinen Bildern zeigt. Doch der in Chur geborene Autodidakt trägt auch die Berge in sich, und so legt sich ein Hauch herber Melancholie über seine Fotografien, wie der dunstige Morgennebel eines Bergsees. Es sind Bilder, die ohne aufwändige Inszenierung auskommen und präzise sind in ihrer Komposition. Was sie zeigen, sind Menschen auf dem Höhepunkt ihrer Karriere oder ganz am Anfang, Menschen mit Augen voller Hoffnung und Menschen mit Augen voller Angst. Haas hält sie fest, ohne sie zu inszenieren, er beobachtet, ohne zu urteilen. Er zeigt sie verletzlich, aber nie schwach, ehrlich, aber nie entblösst. Er ist ein Handwerker und ein Künstler, der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht. Er sucht nicht den Höhepunkt, sondern den Moment davor und den Moment danach, jenen, wenn die Masken abgestreift werden und der Blick frei wird auf die Person. Maurice Haas steht nie in der Menge. Wenn die Welt nach Westen schaut, dann steht er abseits oder kniet irgendwo dazwischen. Und fängt ein, was alle suchen, aber niemand sieht.

Maurice Haas (geboren 1974) lebt und arbeitet in Zürich. 

© Roberta Fischli August 2016